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Früherer Abstinentvertrag wurde durch Auffälligkeit abgebrochen- Aktenkundig?

ok.. fang mal an:
wofür war zuerst THC und dann Koks ein Lösungsversuch? Wofür genau war das nötig?
Gesucht: innere Bedürfnislagen, Emotionen ..
 
also:

Cannabis: Drang nach Zugehörigkeit, Angst vor "Unsichtbarkeit", das Bedürfnis nicht ersetzbar zu sein sondern ein fester Bestandteil einer sozialen Struktur und dort auch anerkannt zu sein, Identifikation durch eine "starke" Gruppe, um eigene persönliche Unsicherheiten zu überspielen.

Der nachfolgende Abschnitt beantwortet nicht direkt deine Frage @joost , sind aber Gedanken die ich mir im Laufe des Tages gemacht habe und gerne teilen würde. Zum Kokain komme ich später

woher kam diese Unsicherheit/diese Bedürfnisse?

Vielleicht mal zu meiner Situation Zuhause:
Von meiner Mutter habe ich immer Bedingungslose Liebe gespürt und habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihr, auch zu meinen Geschwistern.
Mit meinem Vater war es etwas anders, in der Kindheit war die Beziehung schon besser, aber ab 12/13 wurde es schwieriger. Es ist zwar nichts wirklich nennenswertes vorgefallen, es gab keine überdurchschnittlichen Streitsituationen, die Beziehung war aber immer etwas "kalt" und ich habe Ihn auch nicht als Vorbild gesehen. Außerdem war er viel unterwegs und war kaum zuhause, wenn er zuhause war kamen nur Anweisungen was noch erledigt werden muss. Anschließend kam auch die Trennung von meiner Mutter und er ist ausgezogen.
Das hat mich subjektiv allerdings nie wirklich gestört, Ich habe mich damit abgefunden früh mehr Verantwortung zuhause zu übernehmen und Probleme im Haus selbstständig zu lösen.

Und da ich Ihn soweit ich mich erinnern kann nie richtig als mein Vorbild gesehen habe, hat mich seine Abwesenheit auch nicht weiter gestört, weil es Zuhause weniger Stress gab. Ich weiß nicht inwieweit es relevant ist, allerdings wollte ich es trotzdem nicht unerwähnt lassen.

Auch in der Schule habe ich keine Probleme gehabt, sowohl sozial als auch Leistungstechnisch.
Allerdings war die Beziehung zu den Personen rein schulisch und in meiner Freizeit habe ich mit Ihnen sehr wenig, bis gar nichts unternommen, da die Freizeitinteressen sich kaum deckten. Außerdem war ich wie schon erwähnt auf einer Waldorfschule, hatte also von der 1. bis zur 13. Klasse ein sehr homogenes Umfeld, wo "Hierarchien" und Freundesgruppen von Anfang an sehr ähnlich geblieben sind.


Ich war also gewohnt zuhause und in der Schule ein fester Bestandteil eines sozialen Konstrukts zu sein und vorallem Zuhause gebraucht zu werden, im "echten Leben" fehlte mir dieses Konstrukt und dieses Gefühl.
Warum hast du dir zielorientiert immer solche Gruppen gesucht ?
um hier einmal auf @Karl-Heinz
 
ok, hier ists unterbrochen, ich spring mal eben dazwischen:
schau, jetzt beginne ich mich für Dich zu interessieren. Keine Hohlphrasen mehr, sondern spürbares Du. Das heisst nicht, dass Du all das dann auch in jedem Detail dem Gutachter erzühlen musst, aber falls es ihn interessiert, hast Du was in der Hand.
Und: jetzt spürt man auch, dass da jemand von sich erzählt.
Das ist gut!
 
Jup, da bin ich etwas zu früh auf Posten gekommen. @joost vorab danke schonmal für dein Feedback :smiley22:
Weiter gehts:
Um hier vielleicht einmal auf @Karl-Heinz Beitrag einzugehen: Die Gruppe verkörperte nach außen aus meiner Sicht damals Stärke und Autonomität, Sie waren polarisierend und früh schon sehr erwachsen. Diese Stärke und selbstbestimmtheit beeindruckten mich, weshalb ich Teil dieser Gruppe sein wollte.

Zum Kokain- Innere Bedürfnisse:

Stabiles Selbstwertgefühl, ansonsten die gleichen Bedürfnisse wie beim Cannabis, da das Cannabis die Bedürfnisse nicht langfristig erfüllen konnte.

Das Umfeld während des Kokain-Konsums war ein anderes als das Umfeld während des Cannabis-Konsums.
Ich hatte ja erwähnt, dass der Cannabis ab einer gewissen Zeit genau meine Zweifel und Unsicherheiten noch bestärkte und ich deshalb aufhörte zu konsumieren. Darüber hinaus war ich zwar Teil der Gruppe geworden und hatte mein soziales Konstrukt, allerdings hab ich mich nicht unersetzbar in dieser Gruppe gefühlt. Die Gruppe war groß und alle kannten sich schon lange, ich hatte zu niemandem eine wirklich tiefere Verstrickung, wenn überhaupt zu der Person die mich in die Gruppe integriert hatte. Ich hatte das Gefühl, dass es für die anderen keinen wirklich großen Unterschied machte ob ich dabei war oder nicht. Und das hat mir gefehlt.

Anders war es bei dem Umfeld während des Kokain-Konsums.

Wir waren eine Dreier Gruppe und der Komsum hat uns in dieser Zeit fest zusammengeschweißt. Durch die Regelmäßigkeit und die kleinere Gruppengröße fühlte ich mich wirklich wie ein Teil vom Ganzen und es war wichtig ob ich dabei war oder nicht. Es war selbstverständlich, dass wir uns jedes Wochenende und auch in der Woche sahen und jedes zweite Wochenende zusammen Kokain nahmen. Wenn einer von uns zu einer Party eingeladen wurde, hieß es entweder wir drei kommen oder niemand von uns kommt. Also hatte ich die Gruppe und Zugehörigkeit gefunden, die ich gesucht hatte. Vorallem wusste ich, wenn ich weiter konsumiere habe ich auch weiterhin meine guten "Freunde". Kokain hat mir also ein neues Selbstwertgefühl gegeben, zum einen durch den Rausch, zum anderen durch meine "Freunde".
Ganz besonders hat es mir die Angst genommen ersetzbar zu sein.



Schönen Abend!
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Morgen, ich habe die letzten Tage mal genutzt um meinen FB nochmal neu auszufüllen. Ich weiß, ihr habt schon viel Zeit in mich gesteckt, ich würde mich aber sehr freuen wenn hier jemand nochmal drüberschauen würde und ein Feedback dalassen könnte:)
Kurz vorab: Ich habe nochmal intensiv über die Menge vom Kokainkonsum pro Abend nachgedacht(Ich weiß, das hätte schon viel eher passieren müssen) und bin zu dem Schluss gekommen, dass es an Hochtagen doch bis zu 0.4g und nicht maximal 0.3g gewesen sein können. So habe ich es auch im FB übernommen.

1. Wann haben Sie das erste mal von illegalen Drogen gehört?

In der Schule, etwa im Alter von 13/14 Jahren. Ein Klassenkamerad hatte darüber gesprochen, dass er vorhat mit seiner großen Schwester Cannabis zu konsumieren. Für mich war das damals aber kein Thema und ich habe mich damals nicht weiter damit beschäftigt, habe auch nicht weiter mit der Person darüber gesprochen.

2. Wann haben Sie das erste Mal konsumiert? (Datum)

Das erste mal Cannabis habe ich im Alter von 15 Jahren Jahren im Spätsommer 2018 konsumiert

3. Wie sah der Konsum aus? (Konsumbiografie-Was, Wie, Welche Gelegenheit?)

Cannabis habe ich von September 2018 bis ca. August 2021 ca. einmal die Woche konsumiert, pro Konsumtag habe ich einen Joint mit etwa 0.5g Cannabis geraucht. Selten mal zwei Joints an einem Tag. Ich habe nicht alleine geraucht, sondern gemeinsam mit 2-3 Personen. Die Gelegenheiten waren immer ähnlich, wir trafen uns in der Regel draußen, verbrachten Zeit an öffentlichen Orten, gingen spazieren, selten mal bei jemandem zuhause, wenn die Eltern nicht da waren. Die Treffen gingen in der Regel 2-4 Stunden

Ecstasy habe ich im Zeitraum von Dezember 2021 bis Juni/Juli 2022 insgesamt dreimal konsumiert, im Abstand von ca. 3 Monaten.

Der erste Anlass war ein Clubbbesuch, die anderen Anlässe waren kleinere Zusammentreffen, bei jemandem zuhause. Das erste Mal habe ich eine halbe Pille genommen, die anderen beiden male eine ganze Pille.

Kokain konsumierte ich von August 2022 bis Mai 2023. Anfangs einmal im Monat, der Konsum erhöhte sich aber bereits ab dem dritten Konsum auf jedes zweite Wochenende. Es war immer wichtig ein Wochenende pause zu machen, weil jedes Wochenende zu konsumieren wäre „junkiehaft“ (so haben wir es gennant) und es war uns wichtig, sich von Junkies abzusetzen. Dadurch hab ich mir selbst vorgegaukelt, den Konsum im Griff zu haben und zu kontrollieren. Anfangs habe ich ca 0.15-0.2g an einem Abend in 2-3 Nasen konsumiert, anschließend setzte sich der Konsum auf bis zu 0.4g in bis zu 4 Nasen fest. Zusätzlich zum Kokain trank ich pro Abend 2-3 Bier und/oder 2-3 Mischgetränke, z.B Whisky Cola oder Vodka Energy.

4. Haben Sie Drogen zusammen mit Alkohol konsumiert?

Ja, Kokain habe ich immer mit Alkohol zusammen konsumiert. Insgesamt 19 mal. Ecstasy und Cannabis habe ich nie mit Alkohol zusammen konsumsiert.

5. Wie ist der Umgang mit Alkohol gewesen?

Das ersten male Alkohol trank ich mit 15, habe direkt schlechte Erfahrungen gemacht mit Übergeben und sehr starkem Rausch. Der Kontrollverlust und körperliche Unbeherrschtheit störten mich sehr, also trank ich seitdem Alkohol nur in geringeren Mengen und zu bestimmten Anlässen. Während meiner Kokainzeit trank ich jedes zweite Wochenende Alkohol, nachdem ich den Konsum von Kokain einstellte, schraubte ich auch meinen Alkoholkonsum wieder zurück auf geringe Mengen zu bestimmten Anlässen. Mittlerweile trinke ich gar keinen Alkohol mehr.

6. Sonstige Suchtmitteleinnahme?

Ich rauche 5-7 Zigaretten am Tag und trinke gelegentlich Kaffee

7. Haben Sie bei sich negative Folgen festgestellt?

Unmittelbar nach dem Konsum von Cannabis eine leichte körperliche Erschöpftheit und Müdigkeit. – Langfristig habe ich gemerkt, dass Cannabis meine Unsicherheit im Rausch verstärkte, mein Problem also nicht mehr löste sondern noch verstärkte.

Nach dem Konsum von Ecstasy eine gewisse emotionale Leere am nächsten Tag.

Nach dem Kokainkonsum hatte ich Einschlafprobleme und war am nächsten Tag müde und antriebslos



8. Haben Sie trotz negativer Folgen weiter konsumiert?

Die Müdigkeit nach dem Cannabiskonsum hat mich nie gestört, da ich i.d.r. am Abend konsumierte und anschließend ins Bett ging. Nach der Erkenntnis, dass der Cannabisrausch mir nichts mehr gibt, sondern sogar mein Problem weiter verschlechtert, habe ich den Konsum eigenständig wieder eingestellt.

Die Folgen nach dem Ecstasy Konsum waren insofern für mich akzeptabel, weil Sie wissenschaftlich erklärt werden konnten. Durch die hohe Serotoninausschüttung waren halt nicht mehr so viele Glückshormone im Körper und es dauerte etwas, bis diese wieder hergestellt waren. Für mich war das ein plausibler biologischer Vorgang, den ich akzeptierte. An dem Abend bin ich sehr glücklich, am Tag danach eben unglücklich. Und danach fühle ich mich wieder normal. Und dieser eine Tag war der Preis den ich bereit war für den Rausch zu bezahlen. Genau deshalb war es aber wichtig , eine entsprechend lange Pause zwischen den einzelnen Konsumtagen einzuhalten, um zu vermeiden, dass der Kater länger wird als einen Tag und der Serotoninhaushalt sich vollständig erholt.

Am Folgetag nach Kokain war ich in der Regel Müde und etwas antriebslos, was ich damals aber eher auf den Schlafmangel als auf das Kokain selber schob. Ich war noch in der Lage gut Fußball zu spielen(ich spiele im Verein) oder auch mal mit der Familie einen Ausflug zu machen, Großeltern besuchen oder ähnliches, also habe ich die negativen Konsequenzen nie als so relevant wahrgenommen, wie ich es hätte tun sollen. Natürlich war die Motivation, an Folgetagen etwas aktives zu machen eher gering, abhalten lassen davon habe ich mich aber nie.



9. Was für Werte wurden bei Ihrer Auffälligkeit festgestellt?

225 ng/ml Benzoylecgonin

10.9ng/ml Ecgoninmethylester

4.3ng/ml cocaethylen

10. Wann und wieviel haben Sie in der Woche vor der Auffälligkeit konsumiert?

In der Woche direkt vor der Auffälligkeit habe ich nichts konsumiert

11. Wieviel und was haben Sie am Tag der Auffälligkeit Konsumiert?

Am Vorabend der Auffälligkeit habe ich 3 Bier getrunken, 3 Vodka-Energy und ca. 0.4g Kokain in 4 Nasen konsumiert

12. Gab es einen besonderen Grund für diesen Konsum?

Ich hatte an diesem Tag gefeiert, dass ich mein Abitur bestanden hatte. Allerdings war zu dieser Zeit generell kein bestimmter Grund nötig gewesen um zu konsumieren. Durch den Anlass habe ich aber konsumiert, obwohl ich am nächsten Morgen arbeiten musste. Mir war an dem Tag nur wichtig meinen Abend zu genießen, alles andere war egal. Also nahm ich die negativen Konsequenzen, dass es mir am nächsten Tag vermutlich schlecht gehen wird, in Kauf.

13. Wie sind Sie auffällig geworden?

Ich wurde im Rahmen einer allgemeinen Straßenverkehrkontrolle angehalten, da der Verdacht bestand, dass mein Rücklicht defekt sei. Es war allerdings nur etwas dunkler als die andere Seite, da es sich um ein Ersatzteil handelte. Während des Gespräches wurde von den Beamten festgestellt, dass ich sehr glasige Augen habe. Anschließend wurde ein freiwilliger Schnelltest durchgeführt, der positiv auf Kokain anschlug.

Nur für die, die im Straßenverkehr ermittelt wurden(auch Parkplatz):

14. Was war der Zweck der Fahrt?

Ich wollte von der Arbeit nach Hause fahren.

15. Wie weit wollten/sind Sie (ge)fahren?

Ca. einen Kilometer, ich wurde kurz vor meiner Haustür angehalten

16. Wie oft waren sie bereits unter Drogeneinfluss im Straßenverkehr unterwegs?

Mit dem Auto war ich bestimmt an die 30-35 mal im Straßenverkehr unterwegs. Auch in der Zeit, bevor ich Auto gefahren bin und noch Cannabis konsumiert habe, war ich auf dem Fahrrad oder Motorroller gelegentlich unter dem Einfluss von Cannabis im Straßenverkehr unterwegs.

17. Wie haben Sie den Konflikt zwischen dem Drogenkonsum und dem Führen eines Kraftfahrzeuges gelöst?

Ehrlich gesagt habe ich den Konflikt nie gelöst. Ich habe zwar darauf geachtet, nie am gleichen Tag des Konsums zu fahren, sondern frühestens am Folgetag, wenn ich mich in der Lage dazu fühlte. Nach dem Konsum von Ecstasy bin ich am Folgetag nicht gefahren, da der Rausch noch starke Nachwirkungen zeigte. Bei Kokain hatte ich am nächsten Tag i.d.r. keine negativen Folgen, die sich (aus meiner Sicht damals) aus dem Kokainkonsum ergaben. Gelegentlich bin ich also am Folgetag gefahren, spätestens am Montag wieder zur Schule. Dass ich dann noch immer unter dem Einfluss stehen kann und die tatsächliche Gefahr die jedes Mal von mir ausging, hatte ich als solche überhaupt nicht wahrgenommen, da ich mich subjektiv jedes mal in der Lage fühlte ein KFZ sicher zu führen.

19. Wie lange stehen Sie nach dem Konsum von Drogen unter deren Einfluss?

2-4 Tage, je nach Konsummenge. Bei chronischem Konsum auch noch deutlich länger

20. Sind sie sich darüber im Klaren, welche Folgen es bei einem täglichen Konsum gibt?

Wenn ich täglich konsumieren würde, wären die Folgen weitreichend: Über psychische Abhängigkeit, Veränderung der Persönlichkeit, Depressionen und Angstzuständen, soziale Isolation, Zerstörung von Beziehungen und Verlust von Freunden, Jobproblemen und wahrscheinlichem Rutsch in die Beschaffungskriminalität, bis hin zu fatalen Körperlichen Folgen wie schweren Herzproblemen, erhöhtem Schlaganfallrisiko und einer generell verkürzten Lebenszeit. Speziell beim Mischkonsum von Kokain und Alkohol, besteht ein 18-25 mal höheres Risiko an einer Überdosis zu sterben, als nur von Kokain
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Warum ist es passiert?

21. Welche persönlichen Hintergründe gab es für den Cannabis- Drogenkonsum?

Beim Konsum von Cannabis ging es nie primär um den Rausch oder die Droge an sich, sondern um das Werkzeug welches Cannabis für mich war. Ich hatte eine gute Schulzeit, sowohl sozial als auch leistungstechnisch und auch ein größtenteils liebevolles Zuhause, hatte also zwei stabile soziale Konstrukte, von denen ich ein fester Teil war, dazugehörte und das Gefühl hatte gebraucht zu werden, speziell zuhause. Abgesehen von der Schule habe ich aber wenig bis gar nichts mit meinen Schulfreunden unternommen. Darüber hinaus war ich auf einer Waldorfschule, wo seit der 1. Klasse bis zur 13. Klasse die gleichen Personen in einer Klasse sind und vergleichsmäßig generell sehr wenig Schülerinnen und Schüler auf der Schule waren. Die Hierarchien und Freundesgruppen sind also sehr konstant und stabil geblieben und ich hatte nie die Möglichkeit, aber auch nie den „Zwang“ innerhalb der Schule neue Kontakte zu knüpfen.

Anders sah es im echten Leben, außerhalb von zuhause und Schule aus. Ich hatte ein paar wenige Kontakte in meiner Nachbarschaft und spielte Fußball im Verein, eine richtige Zugehörigkeit zu einer Gruppe habe ich aber nirgends gespürt. Und genau nach diesem Gefühl, eine feste Zugehörigkeit zu haben wo ich wirklich unersetzbar bin und gesehen werde und nicht nur dabei bin, habe ich mich gesehnt. Darüber hinaus war mein Selbstbewusstsein damals nicht das stabilste und ich war generell eher unsicher über mich selbst, weshalb mir eine Identifikation durch eine starke Gruppenzugehörigkeit umso wichtiger war.

Durch ein gemeinsames Hobby(Parkour) habe ich eine Person kennengelernt, die auch aus meiner Nachbarschaft kam und Teil einer solchen Freundesgruppe war. Die Gruppe wirkte auf mich polarisierend, sehr frühreif und selbstbestimmend, verkörperte also einen starken Eindruck mit Zusammenhalt nach außen. Genau das waren Aspekte, die ich mir auch für mich selbst gewünscht hatte und deshalb beeindruckte mich diese Gruppe. Ich verstand mich gut mit dieser Person, verbrachte immer mehr Zeit mir Ihr und eines Tages kam die Frage ob ich mit Ihm und einigen weiteren Personen kiffen möchte. Das sah ich als perfekte Eintrittsmöglichkeit in die Gruppe und stimmte zu. Hauptsache ich gehöre zur Gruppe, auch die Illegalität stellte kein Hindernis für mich dan. Der Konsum hatte auch genau den Effekt zur Folge den ich mir gewünscht hatte und ich verbrachte regelmäßig Zeit mit dieser Gruppe und konsumierte ca. einmal die Woche gemeinsam mit Ihnen Cannabis.

Nach etwa 3 Jahren kam mir allerdings die Erkenntnis, dass der Konsum von Cannabis meine Probleme und Unsicherheiten nur verstärkte und ich mir im Rausch mehr Gedanken darum machte, wie ich gerade auf die anderen wirke, ob ich cool rüberkomme, was ich als nächstes sagen soll etc. Ich sah in dem Konsum keinen Problemlöser mehr, also beschloss ich den Konsum einzustellen. Darüber hinaus war ich zwar Teil der Gruppe geworden und hatte mein soziales Konstrukt, allerdings hab ich mich nicht unersetzbar in dieser Gruppe gefühlt. Die Gruppe war groß und alle kannten sich schon lange, ich hatte zu niemandem eine wirklich tiefere Verstrickung, wenn überhaupt zu der Person die mich in die Gruppe integriert hatte. Ich hatte das Gefühl, dass es für die anderen keinen wirklich großen Unterschied machte ob ich dabei war oder nicht. Und genau das hat mir gefehlt. Ich wollte ja nicht nur Mitglied in einer Gruppe sein, sondern ein wirklich er Teil von etwas, verbunden mit der Anerkennung und Wertschätzung.

Auf einer Party bin ich dann mit zwei Personen in Kontakt gekommen die ich schon länger kannte, die aus meiner Sicht damals ins gleiche Spektrum passten wie die Gruppe- polarisierend, beliebt, lustig, bekannt- alles was ich mir für mich auch gewünscht habe. Auch mit den beiden verstand ich mich gut an dem Abend und wir haben seit Beginn der Party den ganzen Abend verbracht. Die beiden hatten an dem Abend Ecstasy genommen und mich gefragt ob ich auch möchte. Ich fühlte mich irgendwie geehrt, dass Sie mich fragen und mir die Droge anbieten und nicht irgendwem anders. Das gab mir das Gefühl, dass die beiden mir vertrauten. Außerdem verstand ich mich wirklich gut mit Ihnen und es fühlte sich harmonisch an, ich hatte kein Interesse mir das durch die Ablehnung der Droge eventuell kaputt zu machen. Ich sah also Ecstasy als Möglichkeit ein prägendes Erlebnis gemeinsam mit den Personen zu schaffen, zum einen durch den gemeinsamen Konsum, zum andern durch die intensive emotionale Verbindung im Rausch. Ich habe also eine halbe Ecstasy Tablette geschluckt. Der Rausch war sehr intensiv, und erfüllte genau meine Erwartungen. Ich habe sehr viel zeit am Abend mit diesen Personen verbracht, konnte meinen Kopf ausschalten und diese Frage ob ich wirklich dazu gehöre war verschwunden, es hat sich genau richtig angefühlt. Am nächsten Morgen war der Rausch vorbei, aber die Erinnerung und das Gefühl von Zugehörigkeit welches ich an dem Abend hatte, war geblieben. Ich habe also erneut den Kontakt gesucht, der bestand zunächst aber eher sporadisch und nicht regelmäßig. Zweimal habe ich mit Ihnen danach erneut Ecstasy genommen.

Vor einer großen Gartenparty einer Freundin, wo wir gemeinsam hingingen, kam die Idee auf erneut zu konsumieren. Allerdings war der letzte Ecstasy Konsum noch nicht lange her, außerdem wäre es zu auffällig auf einer Party mit so vielen bekannten Personen Ecstasy zu nehmen. Vor der Party „beichteten“ die beiden, dass sie schon Erfahrungen mit Kokain gemacht haben und beschlossen, haben auch auf dieser Party Kokain zu nehmen. Kokain sei unauffälliger, wirke nicht so stark und der Kater am nächsten Tag sei nicht so vorhanden wie beim Ecstasy. Außerdem könne/müsse man Kokain mit Alkohol kombinieren, da nur dann der perfekte Rausch entstehen würde. Alkohol für die Lockerheit, Kokain für den Fokus, die Euphorie und das Selbstbewusstsein. Außerdem könnte man mit dem Mischkonsum den Rausch besser kontrollieren. Wenn man zu betrunken wird einfach eine Nase ziehen um wieder „nüchterner“ zu werden, wenn das Kokain zu stark wirkt, könne man mehr trinken um dem Kokain entgegen zu wirken.

Einen gewissen Respekt vor der Droge hatte ich schon, gerade da Kokain für mich immer etwas unerreichbares war, in meinem Kopf war das nur was exklusives für die Reichen. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen gemeinsam mit Ihnen das Kokain zu nehmen. Meine Hemmschwelle zu chemischen Drogen war wegen des Ecstasys bereits gesunken und ich sah Kokain nicht als neues Problem, sondern als gleichen Problemlöser wie Ecstasy. Andere Droge, gleiche Wirkung für mich. Die kritische Auseinandersetzung und die möglichen Folgen von Kokainkonsum sind damals völlig an mir vorbeigegangen, ich hatte ja schon chemische Drogen genommen, was sollte also passieren wenn ich die Substanz einfach austausche, dachte ich mir.
Darüber hinaus hörte sich auch die Wirkung vom Koks/Alkohol Gemisch verlockend an: Lockerheit, gesteigertes Selbstbewusstsein und Euphorie, aber auch die Möglichkeit, den Abend zu kontrollieren. Alkohol trinken aber nicht betrunken werden, nichts anmerken lassen, den Eindruck den ich mache selbst in der Hand behalten. Gerade vor einer großen Party mit vielen Fremden hörte sich das genau richtig an. Ich konnte also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, zum einen die Verbindung zu meinen "Freunden", zum anderen eine selbstbewusstes und sicheres Auftreten nach außen. So konsumierte ich das erste Mal Kokain, gemischt mit Alkohol. Der Konsum hielt was ich mir vorgestellt hatte, es fühlte sich nach einem kontrollierten Rausch an, mein Selbstbewusstsein war gesteigert und ich kam mit vielen fremden ins Gespräch. Auch die Kombination mit dem Alkohol, war meines Erachtens harmonisch und der nächste Tag war überaus erträglich. Wie gefährlich der Mischkonsum von Alkohol und Kokain wirklich ist, wurde mir erst nach meiner Auffälligkeit klar als ich mich intensiv mit der Droge auseinander gesetzt habe. Cocaethylen, welche beim Mischkonsum entstehen, sind nochmal deutlich giftiger und belastender für das Herz, als Kokain alleine und die Gefahr für eine Überdosis ist extrem hoch. Nach dem ersten Konsum trafen wir uns öfter erneut und verbrachten viel Zeit zu dritt. DAs Kokain war wie ein Türöffner gewesen. Nach einem Monat konsumierten wir erneut, danach nach drei Wochen und danach jedes zweite Wochenende. Kokain hatte also mein Problem vermeintlich tatsächlich gelöst, wie ich es erhofft hatte. Durch die Regelmäßigkeit und die kleinere Gruppengröße fühlte ich mich wirklich wie ein Teil vom Ganzen und es war wichtig ob ich dabei war oder nicht. Es war selbstverständlich, dass wir uns jedes Wochenende und auch in der Woche sahen und jedes zweite Wochenende zusammen Kokain nahmen. Wenn einer von uns zu einer Party eingeladen wurde, hieß es entweder wir drei kommen oder niemand von uns kommt. Also hatte ich die Gruppe und Zugehörigkeit gefunden, die ich gesucht hatte. Vorallem wusste ich, wenn ich weiter konsumiere, habe ich auch weiterhin meine guten "Freunde". Kokain hat mir also ein neues Selbstwertgefühl gegeben, zum einen durch den Rausch, zum anderen durch meine "Freunde".
Ganz besonders hat es mir das Gefühl genommen ersetzbar und unsichtbar zu sein.
 
22. Wie hat sich Ihr Umfeld über Ihren Drogenkonsum geäußert?

Außer denen Personen, mit denen ich konsumiert hatte, wusste niemand davon. Zuhause, in der Schule oder beim Fußball erzählte ich nichts davon.

23. Gab es Ereignisse in Ihrem Leben, die zu verstärktem Konsum geführt haben?

Nicht wirklich. Die Größe der Party oder der Anlass der Party beeinflussten in geringem Maße, wie viel ich an einem Abend konsumierte. Der Anlass mein Abitur zu feiern, hatte jedoch zur Folge, dass ich konsumierte obwohl ich am nächsten Tag arbeiten musste.

24. Haben Sie sich an Jemand um Hilfe gewandt, um den Drogenkonsum zu beenden?
(Warum, wann, wer?)

Nein ich habe niemanden um Hilfe gebeten, da ich meinen Drogenkonsum zu dem Zeitpunkt nicht als problematisch angesehen habe. Unter anderem durch den, meiner damaligen Ansicht nach, „geregelten“ Konsum von Kokain nur jedes zweite Wochenende, gab mir eine ganz falsche Sicherheit den Konsum im Griff zu haben. Heute weiß ich wie realitätsverzerrt und gefährlich diese Einschätzung gewesen ist

25. Gibt es in Ihrer Familie aktenkundige Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Suchtkrankheiten?

Nicht, dass ich wüsste

26. Hatten sie Konsumpausen/spitzen?
Warum? Wann?

Wenn man von Pausen sprechen kann, dann zwischen Cannabis und Ecstasy ca. 3 Monate und die 3 monatigen Pausen zwischen dem jeweiligen Konsum von Ecstasy. Konsumspitze war die gesamte Zeit, als ich jedes zweite Wochenende Kokain genommen habe, speziell der Tag vor der Auffälligkeit, als ich konsumierte obwohl ich arbeiten musste.

27. Was hat Sie daran gehindert, ohne Droge abzuschalten?

Es ging mir bei dem Konsum grundsätzlich nicht um die Wirkung, sondern vielmehr um die Integration und Zugehörigkeit in soziale Konstrukte und ein gesteigertes Selbstbewusstsein auf Partys. Auf Partys hat mich meine Unsicherheit im Kontakt mit fremden verhindert "abzuschalten" im Alltag hatte ich keine Probleme ohne Drogen abzuschalten.

28. Waren Sie gefährdet in eine Drogenabhängigkeit zu geraten?
Auf jeden Fall, bei einem so häufig wiederholten Konsum von einer so suchtpotenten Droge wie Kokain war ich schwer gefährdet in eine Abhängigkeit zu geraten. Speziell der Hintergrund, dass ich Drogen konsumiert habe um soziale Probleme langfristig zu lösen, erhöhte das Risiko nochmal extrem.

29. Waren sie drogenabhängig?

Nein, obwohl der häufige Konsum und mein damit verbundener Freundeskreis damals eine sehr präsente Rolle in meinem Leben gespielt hat, habe ich trotzdem noch alle meine Verpflichtungen weiterhin wahrgenommen. Ich habe während der Hochzeit meines Konsums mein Abitur(erfolgreich) geschrieben, habe nie ein Fußballspiel abgesagt oder andere Verpflichtungen vernachlässigt. Nach dem Tag der Auffälligkeit konsumierte ich nie wieder Kokain. Anfangs hatte ich während ich Alkohol getrunken habe das Bedürfnis wieder Kokain zu zu konsumieren, da ich daran gewöhnt war. Um dem entgegen zu wirken habe ich meinen Alkoholkonsum wieder zurückgestellt und so auch das damit verbundene Bedürfnis nach Kokain.

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Wieso passiert das nicht wieder?

30. Hätten sie, rückblickend, eine Drogenkarriere verhindern können?

Ja, allerdings nicht ohne weiteres. Klar hätte ich einfach nein zu den Drogen sagen können, ganz so leicht war es in der Realität aber nicht. Damals kannte ich mich und meine Bedürfnisse und tiefen Wünsche nicht so wie ich mich heute kenne. Schon damals hätte ich eine ehrliche Auseinandersetzung mit mir selbst gebraucht, möglicherweise durch externe Hilfe. Allerdings hätte ich auch einfach mit meiner Mutter reden sollen, ihr sagen dass mir irgendetwas fehlt und ich keinen richtigen Anschluss finde. So genau wusste ich das damals aber selbst nicht. Ein alternatives soziales Umfeld ohne Konsum hätte eine Drogenkarriere ebenfalls verhindern können, das konnte ich mir allerdings nicht einfach aussuchen, sonst hätte ich es ja getan.

Mit den gegebenen Bedingungen wäre das Einzige was wirklich geholfen hätte, früher mit einer vertrauten Person über meine Gefühle zu reden. Das hätte eine Drogenkarriere verhindern können.



31. Wieso haben Sie sich für eine Abstinenz entschieden?

Mir ist klar geworden wie weit ich gegangen war um mir ein Gefühl vorzuspielen. Die Zugehörigkeit und der Zusammenhalt, den mir der Konsum damals gegeben hat, nur eine Illusion war nichts weiter. Nichts davon war echt. Kurzfristig gab mir der Kosnum viel, langfristig können Drogen nicht ein einziges Problem von mir lösen , nur extrem viele schaffen. Ich hatte meine Gesundheit und meine Zukunft so sehr riskiert, nur am anderen zu gefallen und mir die Illusion zu erhalten, dass ich Teil eines sozialen Konstrukts bin. Ich habe verstanden, dass ich meine Unsicherheiten und dieses Verlangen von Bestätigung anderer, nur lösen kann wenn ich beginne mich selbst Wertzuschätzen. Das kann ich nur, wenn ich Dinge tue die mir gut tun und die mich langfristig persönlich voran bringen, das ist mit Drogenkonsum nicht vereinbar. Außerdem, echte Freundschaften können nur entstehen, wenn sie aufgrund gleicher Interessen, Ziele oder echter Verbundenheit entstehen. Mir war also klar, dass ich den Konsum und alle beteiligten Personen sofort aus meinem Leben löschen muss. Darüber hinaus ist mir bewusst geworden, welchen Schaden Drogen langfristig anrichten können. Ich möchte mir in naher Zukunft eine sichere finanzielle Basis aufbauen, Reisen, viele Erfahrungen in der Welt sammeln, meine Familie unterstützen und langfristig auch eine eigene Familie gründen. Solche Ziele sind nicht erreichbar, wenn ich weiterhin konsumieren würde, und sich meine Gedanken immer nur um Konsum drehen würden und ich meinen Körper zerstöre. Also kam für mich nur eine Abstinenz in Frage


32. Beschreiben Sie den Punkt, an dem Sie sich für ein abstinentes Leben entschieden haben (Knackpunkt)

Der Knackpunkt an dem ich gemerkt habe dass ich nie wieder Drogen nehmen möchte, war das Gespräch mit meiner Mutter nach der Auffälligkeit. Die ersten Tage nach der Auffälligkeit habe ich das alles noch nicht so richtig realisiert und versucht das Problem zu verdrängen, was natürlich nicht möglich war. Nach ein paar Tagen wurde mir klar, dass ich wirklich scheiße gebaut hatte und ich da nicht einfach so wieder rauskomme. Also musste ich meiner Mutter erzählen was passiert war. Ihre Ungläubigkeit und Enttäuschung haben mich sehr mitgenommen und mir ist erst klar geworden, wie schwerwiegend mein Konsum tatsächlich war. Ich habe durch meine Mutter beste Zukunftsmöglichkeiten auf den Weg bekommen, Sie hat mir eine wunderschöne Kindheit gegeben, ich hatte immer alles was ich brauchte und musste mir nie wirklich Sorgen machen. Dazu weiß ich selbst, dass ich nicht auf den Kopf gefallen bin und durchaus Möglichkeiten habe etwas aus meinem Leben zu machen, wenn ich es wirklich will. Und genau das alles habe ich leichtfertig aufs Spiel gesetzt, nur um kurzfristig ein Gefühl zu haben das sowieso nicht echt war. In dem Moment wurde mir klar, wie unbedeutend dieses Bedürfnis nach Zugehörigkeit im Vergleich zu dem ist, was noch vor mir liegt. Ich war wütend auf mich selbst und wusste, dass ich jetzt einen Schlussstrich ziehen werde.

Ein weiterer Punkt der mich wütend machte, war, dass ich meine Familie nicht mehr so unterstützen konnte wie ich es zuvor gemacht habe, ich war oft einkaufen, habe meine Mutter oder Schwestern zu verschiedenen Anlässen gebracht oder abgeholt. Daraus resultierte leider die Motivation, meinen Führerschein so schnell wie möglich wieder zu bekommen. Egal wie, Hauptsache schnell. Ich bin also mit der ganz falschen Motivation zur ersten MPU gegangen, welche ich natürlich mit einem negativen Gutachten wieder verließ. Anschließend habe ich verstanden, dass es nicht darum geht meinen Führerschein schnell wieder zu bekommen, sondern dass ich grundlegend an mir arbeiten muss und verstehen muss, weshalb ich in der Vergangenheit so gehandelt habe wie ich gehandelt habe und was ich tun muss, um dies in Zukunft zu vermeiden. Das ist die Voraussetzungen für eine gesunde und stabile Zukunft. Der Führerschein ist dann ein Bonuspunkt zu gegebener Zeit, wenn die anderen Voraussetzungen erfüllt sind

33. Wieso kommt für Sie nur Abstinenz und nicht für gelegentlicher Konsum in Betracht?

Bei dem Konsum von Drogen ging es mir immer primär um die Wirkung im sozialen Umfeld und nur sekundär um die Wirkung der Droge. Ich habe Drogen als Problemlöser für soziale Bedürfnisse gesehen. Da ich heute weiß, diese Bedürfnisse ohne Drogen zu befriedigen, habe ich absolut keinen Grund und kein Interesse mehr Drogen zu konsumieren. Darüber hinaus gibt es bei Kokain keinen gelegentlichen, kontrollierten Konsum. Die Gefahr wäre zu groß, dass ich wieder in alte Muster falle, deshalb kommt für mich nur eine vollständige Drogenabstinenz in Frage.

34. Wie haben Sie die Umstellung zur Abstinenz erlebt?

Die Umstellung zur Abstinenz habe ich durchweg positiv erlebt. Ich investierte Zeit und Energie in Dinge, die mir wirklich etwas bedeuten. Ich habe angefangen mich gesünder zu ernähren, intensiver Kraftsport zu machen, mit dem Kickboxen begonnen und mich wieder mehr dem Klavierspielen gewidmet. Ich habe bewusst Wert auf meinen Körper, meine Gesundheit und mein Erscheinungsbild gelegt weil es mir selbst etwas bedeutet. Das hat mein Selbstbewusstsein auf eine Grundlage gestellt, die niemand anders mir geben oder nehmen kann. Ich brauche keine Bestätigung von anderen mehr, ich kann mich selbst bestätigen. Ich weiß was ich kann, worin ich gut bin und bin zufrieden mit mir selbst.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mein Konsum die Beziehung zu meiner Familie belastet hatte. Ich verbringe heute wieder viel mehr Zeit mit meiner Mutter und meinen Schwestern, besonders am Wochenende. Das war mir lange nicht bewusst, wie viel ich dort verloren hatte.

Über die Uni habe ich einen neuen Freundeskreis aufgebaut, der seit drei Jahren stabil ist. Aber das Entscheidende ist nicht der Freundeskreis selbst, sondern dass ich heute verstehe, dass ich keine Gruppe und keine Bestätigung von außen brauche, um mich sicher zu fühlen. Wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, ist die Frage ob ich dazugehöre nicht mehr relevant. Trotzdem ist es schön, einen stabilen Freundeskreis ohne Konsumenten zu haben. Darüber hinaus habe ich mittlerweile eine feste Freundin, was ich auch als Konsequenz aus meinem neuen Lebensstil sehe.


35. Wer hat Ihnen dabei wie geholfen?

Die Beratungsstelle der Caritas hat mir sehr dabei geholfen zu verstehen, welche Grundbedürfnisse meinen damaligen Handlungen zugrunde lagen. Durch dieses Wissen konnte ich die Gründe für meinen Konsum aufarbeiten und ich konnte mir selber neue Strukturen aufbauen, um abstinent zu leben. Auch mein Bruder war eine wichtige Vertrauensperson während des Prozesses.
36. Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Umstellung?

Meine Familie ist natürlich extrem glücklich, dass die Zeiten des Konsums vorbei sind. Zu dem Umfeld mit denen ich konsumiert habe, habe ich kein Kontakt mehr. Einige Personen aus meinem neuen Freundeskreis habe ich auch in meine Vergangenheit eigeweiht, auch die sind froh, dass ich keine Drogen mehr nehme.

37. Haben Sie nach der Auffälligkeit weiterhin Kontakt zu Ihren Drogenbekannten gehabt?

Nach dem Gespräch mit meiner Mutter habe ich den Kontakt zu meinen Kokain bekannten direkt abgebrochen. Jegliche Kontaktmöglichkeiten und Social Media habe ich blockiert.
Zu den meisten Personen, mit denen ich damals Cannabis konsumiert habe, habe ich wenn dann, sehr selten mal Kontakt. Von Ihnen habe ich mich auch distanziert, allerdings nicht so radikal wie von den Personen, mit denen ich Kokain und Ecstasy konsumiert hatte. Wenn wir uns zufällig mal treffen, tauschen wir uns kurz aus, mehr aber auch nicht. Mit der Person, die ich damals über das gemeinsame Hobby kennengelernt habe, stehe ich noch im engen Kontakt. Auch er konsumiert mittlerweile kein Cannabis mehr.


38. Haben Sie nach Ihrer Auffälligkeit miterlebt, wie Ihre Bekannten Drogen konsumiert haben?

Sehr selten mal, Cannabis. Da ich aber schon damals, ohne einen Vorfall die Erkenntnis hatte, dass der Konsum von Cannabis mir nichts gibt, komme ich auch nicht in die Versuchung selbst zu konsumieren. Nach meinem letzten Konsum 2021 hatte ich nie mehr das Bedürfnis Cannabis zu konsumieren.

39. Wie haben Sie in Zukunft vor mit Cannabis/dem Konsum umzugehen?

Auch Cannabis möchte ich nie wieder konsumieren

40. Haben Sie zu Hause Cannabis?

Nein, habe ich nicht, auch aus meiner Familie konsumiert niemand Cannabis

41. Wie wollen Sie es gegebenen Falls in Zukunft verhindern, nochmals unter Drogeneinfluss ein KFZ zu führen?

Indem ich abstinent lebe und keine Drogen mehr nehme, so komme ich auch nicht in die Situation, erneut unter dem Einfluss von Drogen ein KFZ zu führen.

42. Wie wollen Sie einen beginnenden Rückfall erkennen?

Kritische Situationen wären, wenn ich neue Leute kennenlernen würde und das Gefühl kriege, Bedingungen erfüllen zu müssen um Zeit mit ihnen zu verbringen. Sollte ich das merken oder rausfinden dass diese Personen Drogen konsumieren, breche ich den Kontakt direkt ab. Das gilt ohne Ausnahme, egal wie gut wir uns verstehen oder wie lange ich die Person schon kenne.
Das konkrete Warnsignal wäre, wenn ich merke dass ich wieder zu stark auf Anerkennung von anderen angewiesen bin oder das Gefühl habe mich unbedingt in eine Gruppe integrieren zu müssen. Das sind genau die Muster die damals meinen Konsum ausgelöst haben, und die kenne ich heute gut genug um sie rechtzeitig zu erkennen.

Dazu kommt, dass Risikosituationen auch entstehen könnten wenn ich die Strukturen verliere die ich mir aufgebaut habe. Sport ist ja ein wichtiger Aspekt für mich, es könnte natürlich passieren, dass das plötzlich nicht mehr möglich ist. Ich weiß aber, dass ich meine Strukturen dann anpassen kann und z.B. mit einem Fokus auf Kreativität meinen Ausgleich schaffen kann.

Darüber hinaus habe ich gelernt, wie wichtig eine gesunde Kommunikation ist. Wenn ich merke, dass sich etwas in eine kritische Richtung bewegt und ich die Situation selber vielleicht nicht gut lösen kann, würde ich direkt meine Familie oder gute Freunde informieren.



43. Wie ist derzeit der Konsum von Alkohol bei Ihnen?

Ich trinke kein Alkohol mehr. Alkohol war zwar nie ein eigenständiges Problem, allerdings eine regelmäßige Konsumbegleitung zum Kokain und damit Teil des Problems. Um mit damaligen Mustern komplett abzuschließen habe ich mich entschlossen auch keinen Alkohol mehr zu trinken.
 
Noch eine Ergänzung zu meiner persönlichen Unsicherheit bei Frage 21:
Ich war immer ein Mensch der sich viele Gedanken um sich selbst gemacht hat, und mir war wichtig wie ich auf andere Wirke und was andere von mir denken. Gewünscht hatte ich mir immer andere Charaktereigenschaften, dass ich mehr die Person bin der egal ist was andere von mir denken und ich einfach mache ohne nachzudenken. Das war aber schwierig für mich.
 
Und noch eine Ergänzung zu meiner Aussage am Anfang: Natürlich meine ich, dass es bis zu 0.4g Kokain gewesen sind, nicht dass es bis zu 0.4g Kokain gewesen sein KÖNNTE. Dass ich generell den Wert jetzt nochmal abgeändert habe liegt nicht daran, dass ich im Beitrag vorher verharmlosen wollte, ich habe nur jetzt nochmal wirklich intensiv drüber nachgedacht wie viel ich konsumiert habe an einem Abend und bin zu einem etwas höheren Ergebnis gekommen.
 
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