Geben Sie uns bitte bei Ihren Antworten auch eine kurze Übersicht über Ihre Kindheit und Jugend.
Z.B.: Wo (Deutschland/Ausland), wie (auf dem Land, in der Stadt), bei wem (Eltern, Großeltern) aufgewachsen? Schulbesuch bzw. -abschluss? Heimaufenthalte? Berufsausbildung? Berufstätig, arbeitslos, arbeitssuchend? Bereits inhaftiert gewesen?
Ich hatte eine tolle Kindheit in Deutschland bei meinen Eltern, habe meinen Realschulabschluss gemacht und anschließend eine Ausbildung zum Industriemechaniker mit dem Schwerpunkt Maschinen- und Systemtechnik im Bereich Maschinenbau mit Montage im Ausland abgeschlossen.
Nach zehn Jahren bin ich ins Qualitätswesen gewechselt und habe mich dort bis zum internen Auditor weitergebildet. Die letzte Weiterbildung war im Jahr 2022 als Sicherheitsbeauftragter.
Seit Februar dieses Jahres bin ich arbeitslos. Ich sollte das QM-System übernehmen, aber da der Ausgang der MPU ungewiss ist, haben wir uns entschieden, uns zu trennen, damit sie noch jemanden einstellen können, der eingearbeitet werden kann, weil der Leiter in Rente geht. Ich habe ehrlich kommuniziert, dass es unternehmerisch besser sei, wenn man mich ersetzen würde. Das wurde auch durch eine großzügige Zahlung und ein gutes Arbeitszeugnis beantwortet.
1) Bitte beschreiben Sie möglichst genau, wodurch Sie in der Vergangenheit aufgefallen sind
(Jedes Delikt bitte einzeln, mit Datum angeben):
TZ 03.08.2002 Samstag Körperverletzung mit THC 0,0521mg/l und Alkohol 1,22 o/oo 1.15 Uhr
TZ 31.05.2003 Samstag Trunkenheit im Verkehr mit Unfall 1,39 o/oo 0:25 Uhr
TZ 15.06.2007 Freitag Sachbeschädigung keine Daten mehr vorhanden
Letzte Mal Alkohol 04.02.2008 Rückfall ende 2018 – 11.06.2021 Abstinenz
Letze Mal Drogen 2011 - 2012 Silvester Rückfall ca.19.03.2017 – 27.03.2017 Drogenfrei
MPU 2014 Entscheid positiv
Scheidung 2016 – 2017 Für mich der Auslöser
TZ 23.06.2016 Donnerstag 16:30 Uhr Gefährliche Körperverletzung (Verfahren eingestellt) Ex-Freund von Ex-Frau Einstellung §154 Abs.1
TZ 28.03.2017 Dienstag 9:00 Uhr Gefährdung durch Fahren unter Einfluss berauschender Mittel (Zug-Unfall) Urteil: fahrlässige gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr in Tateinheit mit fahrlässiger Trunkenheit (Cannabis THC Wert 2,1 μg/l (3 Joints in 2 Wochen)
TZ 10.06.2021 Donnerstag ca. 23:25 Uhr Donnerstag Essen mit Verwandet 5 große Bier getrunken Atemalkoholkonzentration v. 0,45mg/l (0,9 Promille) Urteil ohne Gericht 1 Monat FS-Entzug v.01.07.22-31.07.22 500€ 2 Punkte
TZ 07.10.2021 Donnerstag ca. 23:15 Fahrerflucht 23:15 Uhr beim Ausparken von einem Schotterparkplatz habe ich die Seite eines PKW berührt das aber durch meine Wut Streit mit dem besten Freund nicht wahr genommen. Keine Anzeige man kannte sich Polizei dazu geholt und das geklärt.
TZ 04.07.2024 Donnerstag 15:40 Uhr Geschwindigkeitsüberschreitung außerhalb geschlossener Ortschaften um 34km/h Soll 80k/km/h ist 114 km/h 1 Punkt 200€
TZ 23.11.2024 Samstag Fahrerflucht 22.15Uhr (FH-Entzug per Strafbefehl) 3 Punkte
2) Welche Gedanken (Überlegungen) hatten Sie bei den jeweiligen Taten?
Nach der MPU 2014 Die Gutachterin hat Fragen gestellt zu diesen Themen zu den Delikten davor hat sie nichts wirklich wissen wollen.
2016: Körperverletzung völlig nüchtern
Ich war so beschämt und aufgewühlt, weil der Neue meiner Exfrau mich öfter angeschrieben hatte. Wir hatten uns sehr massiv beleidigt. Dadurch habe ich mich wirklich schlecht gefühlt und war sehr aggressiv und emotional am Boden. Ich wollte nicht einsehen, dass wir uns getrennt haben. Nach einem weiteren Schreiben von dem Typen habe ich den Entschluss gefasst, ihm gegenüberzutreten. Ich habe ihn dann mit einem Kantholz verprügelt. Ich muss sagen, danach ging es mir besser, weil ich meine Aggressionen an ihm rausgelassen habe und ich mir wieder vorkam wie ein Mann. Rückblickend war das natürlich der falsche Weg und ich froh bin das er keine bleibenden Schäden hatte. Ich habe mich während der Scheidung zurückgezogen und bin in alte Verhaltensmuster gerutscht. Ich konnte nicht mit der Situation umgehen. Weil ich zu diesem Zeitpunkt Gefühlsmäßig echt am Boden war und keine Strategie hatte wie ich in so einem Fall (Scheidung) damit umzugehen habe. (Freispruch, weil ich in einem anderen Verfahren (Der Zugunfall) mit einer höheren Strafe rechnen sollte und man mir nicht das Leben verbauen wollte.)
28.03.2017 Gefährdung durch Fahren unter Einfluss berauschender Mittel (Zug-Unfall) Urteil: fahrlässige gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr in Tateinheit mit fahrlässiger Trunkenheit THC Wert 2,1 μg/l
Da ich am Abend zuvor einen Joint geraucht hatte, habe ich am Tag des Unfalls überhaupt nicht nachgedacht, weil ich angenommen habe, dass ich völlig klar bin. Da ich die Wirkung aber letztlich unterschätzt habe, hatte ich erst hinterher bei Gericht die Erkenntnis, dass man auch in der Ausschleifphase zu unüberlegten Handlungen neigt oder Fehlentscheidungen treffen kann.
10.06.2021 Donnerstag Donnerstag Essen mit Verwandet 5 große Bier getrunken Atemalkoholkonzentration v. 0,45mg/l (0,9 Promille) Urteil ohne Gericht 1 Monat FS-Entzug
Eigentlich wollte ich hier nur ein Bier trinken. Da ich mich aber so fit und gut gefühlt habe, habe ich noch eines getrunken. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, ein paar Stunden zu bleiben, und der Alkohol würde sich schon wieder abbauen. Es kam jedoch anders: Nach dem zweiten 0,5-Liter-Bier hatte ich die Hemmschwelle überschritten. Ich war so in die Gespräche vertieft, dass ich noch drei weitere 0,5-Liter-Biere getrunken habe. Da ich mich gut gefühlt habe, bin ich bewusst ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren. Auf dem Parkplatz wurde ich dann von der Polizei kontrolliert. Ergebnis: 0,9 Promille. Mir ist klar geworden, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann, da sich schleichend eine Alkoholtoleranz aufgebaut hatte und ich schon längst die Kontrolle verloren hatte.
04.07.2024 Geschwindigkeitsüberschreitung außerhalb geschlossener Ortschaften um 34km/h Soll 80k/km/h ist 114 km/h
Ich bin generell gerne schnell gefahren und habe die Risiken für mich und andere ausgeblendet. Ich sei ja ein guter Autofahrer. Da ich schon öfter geblitzt wurde und die Strafen einfach bezahlt habe, ohne dass Konsequenzen daraus entstanden sind, habe ich mich ganz normal gefühlt. Erst als es geblitzt hat, habe ich gemerkt, dass ich zu schnell war.
Fahrerflucht 23.11.2024
An diesem Tag habe ich einen Freund und seine Frau zu einer Veranstaltung gefahren. Da ich mich als Fahrer angeboten hatte, haben meine Mitfahrer Kümmerlinge im Auto getrunken und bei Aussteigen im Auto gelassen. Mir ist das in dem Moment nicht aufgefallen, weil ich ja eh nicht trinke. Dann kam es zu einem Unfall mit einer Laterne. Als ich die Pinnchen überall sah, habe ich direkt Panik bekommen. Mein Job ist weg, der Firmenwagen auch. Keiner glaubt mir wegen meiner Vorgeschichte. Ich muss hier schnell weg. Ich war am Zittern und mein Herz ist fast explodiert. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich habe die Pinnchen aus dem Fenster geschmissen, direkt neben dem Auto (völlig unlogisch), und bin dann vor der Situation zu Fuß geflüchtet. Ich habe mich dann bei einem Kollegen niedergelassen und war völlig aufgelöst. Erst am nächsten Tag habe ich Reue empfunden und wusste, dass ich Mist gebaut hatte. Ich habe meinen Anwalt angerufen und er meinte, ich solle sofort zur Polizei gehen und mich stellen. Anschließend ist mir eine Last von den Schultern gefallen. Es war pure Erleichterung.
3) Haben Sie bereits (Vor)Strafen erhalten? Wenn ja, welche?
Trotz dieser Vergehen bin ich nicht vorbestraft. Ich habe kein Vorstrafen in meinem Führungszeugnis.
4) Sofern es (Vor)Strafen für Sie gab -
Was meinen Sie, warum konnten Sie aus diesen Strafen nichts lernen?
-
5) Gab es noch andere (aktenkundige) Auffälligkeiten (auch ältere)?
Ja vor der MPU 2014
6) Wenn es mehrere Delikte waren:
Was denken Sie, warum sind Sie so häufig aufgefallen? Was hat das mit Ihnen selbst zu tun?
Ich habe damals nur die Symptome behandelt und mich nie wirklich mit mir selbst auseinandergesetzt. Ich habe geglaubt, dass alles gut wird, wenn ich den Alkohol weglasse, die Drogen weglasse und den Freundeskreis ändere. Aber erst nach der Fahrerflucht habe ich mich mit mir selbst beschäftigt und mich praktisch selbst auditiert. Ich habe erkannt, dass ich immer zu impulsiv und unüberlegt gehandelt habe, wenn ich unter Stress stand oder aus Emotionen heraus. Außerdem war es für mein Ego so, dass ich geglaubt habe, ich schaffe das alles schon alleine und bräuchte keine Hilfe von außen, ich sei ja ein Mann. Mir haben richtige Strategien gefehlt, wie ich in stressigen Situationen richtig reagieren kann. Zusätzlich hatte ich kein System, mit dem ich schon im Vorfeld hätte erkennen können, dass es brenzlig wird. Dadurch hat mir die Zeit gefehlt, eine überlegte Entscheidung zu treffen.
Noch dazu kommt, dass ich mich schleichend daran gewöhnt hatte, gegen Regeln zu verstoßen, weil ich immer gemeint hatte, ich sei perfekt und unantastbar. Ich schaffe das schon, dachte ich, was das Kontrollieren des Autos bei hohen Geschwindigkeiten angeht.
7) Wenn Sie an einem Kurs (z.B. einem AAT) teilnehmen/teilgenommen haben:
Was haben Sie daraus für sich mitgenommen?
Ich bin am 05.08.2005 zu Verkehrspsychologen gegangen, um mein Verhalten bzw. meine Aufarbeitung von ihm bestätigt zu bekommen und ggf. zu intensivieren (noch bevor ich überhaupt wusste, dass ich eine MPU machen muss; das habe ich erst im Dezember erfahren).
Hier haben wir mein Regelverstoß intensiv aufgearbeitet und meine Einstellung dazu. Bei den anderen Punkten meinte er, dass meine Aufarbeitung wirklich gut sei und er selten so etwas gesehen hätte. Das hat mir natürlich wieder ein gutes Gefühl gegeben.
Wir sind noch mal alle Punkte durchgegangen und haben die Aufarbeitung intensiviert. Er meinte, ich rechtfertige mich oft, das sollte ich besser abstellen. Außerdem meinte er, ich würde nicht so gut über Gefühle sprechenn bzw. reden kann. Das habe ich gelernt (denke ich).
8) Wie bewerten Sie selbst Ihr Verhalten in der Vergangenheit und was war Ihrer Meinung nach der Grund dafür?
Ich bewerte mein Verhalten von damals als rücksichtslos und egoistisch. Ich stand über den Regeln und Gesetzen. Ich hatte damals kein ausgeprägtes Problembewusstsein und habe Regeln eher als Hindernis gesehen. Für mich haben sich die Grenzen immer mehr im privaten Bereich verschoben. Außerdem habe ich mich selbst überschätzt und aus Emotionen heraus gehandelt, was dann zu impulsiven Entscheidungen geführt hat. Der Grund dafür liegt bei mir klar in der Bewältigung und dem Umgang mit emotionalem Stress sowie der fehlenden Strategie, wie ich in gewissen Situationen nicht impulsiv handle. Außerdem ist mein Ego ein großer Teil davon und ich habe Probleme eher verdrängt oder erst gar nicht wahrgenommen.
9) Welchen Sinn sehen Sie in den Gesetzen und den Verkehrsbestimmungen?
Heute weiß ich, dass Gesetze und Regeln dazu dienen, andere und mich zu schützen und davor bewahren, schwerwiegende Fehler zu begehen. Ohne Gesetze würde Chaos herrschen.
10) Welche Veränderungen hat es seit der letzten Auffälligkeit bei Ihnen gegeben?
Ich habe mich intensiv mit mir selbst auseinandergesetzt und an meiner Impulsivität gearbeitet, indem ich heute Stopp-Regeln nutze. Ich erkenne heute frühzeitig Gefahren und kann dementsprechend dagegensteuern. Außerdem spreche ich mit meiner Exfrau (heute beste Freunde) und Freunden über Probleme und fresse sie nicht mehr in mich hinein. Ich weiß, dass man Hilfe annehmen kann und ich das nicht alleine machen muss. Zusätzlich weiß ich, dass ich niemandem etwas beweisen muss bzw. mir selbst beweisen muss, dass ich das alleine schaffe oder schnell fahren kann, weil ich gedacht habe, ich sei so ein toller Fahrer. Ich habe mich damals über materielle Dinge definiert, mein Ego stand im Vordergrund. Heute sehe ich das anders. Es ist zwar noch da, aber im genügenden Maße. Ich muss nicht mehr schnell fahren oder Regeln brechen um mich zu definieren oder Stress abzubauen.
11) Wie wollen Sie sicherstellen, dass Sie nicht erneut auffällig werden?
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgends, aber ich habe heute klare Regeln, an die ich mich halte, und Strategien, die ich täglich anwende. Auch wenn es mal schwierig wird, handle ich nicht unüberlegt und impulsiv. Sollte ich merken, dass ich damit nicht weiterkomme, würde ich mit Freunden etc. darüber sprechen. Ich merke schon frühzeitig, wenn ich emotional werde oder Gefühle wie Angst, Gier, Trauer oder Stress auftreten. Dann kann ich durch Veränderungen gegensteuern. Außerdem befinde ich mich derzeit in einer sehr stressigen Situation: Ich bin arbeitslos, mein Vater ist schwer krank und ich habe meinen Führerschein verloren. Trotzdem halte ich an meinem neuen Ich fest und bin überzeugt, dass ich das auch zukünftig im Straßenverkehr umsetzen werde.
12) Haben Sie noch etwas hinzu zufügen?
Ich habe mein Verhalten damals verstanden und die Ursache dafür erkannt. Heute habe ich klare Regeln und Strategien, die ich im Alltag anwende und danach lebe. Außerdem möchte ich wieder ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein und ein Vorbild für meinen Sohn.