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Zweite Trunkenheitsfahrt nach 10 Jahren

Hallo allerseits,
im Anhang mein Gutachten von 2016. Beschämend zu lesen, wie leichtfertig ich mit meinen eigenen, damaligen guten Vorsätzen,
all die Jahre umgegangen bin. Die Absprachen mit dem Gutachter konnte ich nicht auf Dauer umsetzen, habe es nicht durchgehalten.
Klares Versagen meinerseits.Da kriecht ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Gutachter in mir hoch, gerade weil er mir sehr gute
Unterstützung geben hat. O.K., Vergangenheit ist nicht mehr zu ändern!
Euer Feedback ist mir wichtig.
LG
Olli

Der Anhang wurde, wegen der Lesbarkeit des Klarnamens, gelöscht *Nancy*
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Moin, lieber Olli :smiley138:

Ich kann dich gut verstehen, dass gerade bei dem Durchlesen des positiven GAs vor Allem dieses „Hätte ich doch“, „Warum konnte ich nicht“…..hochkommt.

Zusätzlich kommen diese Gefühle wie Scham, Versagen, Scheitern, Unfähigkeit, Wertlosigkeit etc. auf….?

Was aber bei dem Prozess, eine zufriedene Abstinenz, die Bestand hat und auch lebenslang tragfähig ist, zu erreichen, ist vor Allem das Verzeihen !
Es ist doch interessant, dass es uns Menschen leichter fällt, anderen zu verzeihen als sich selbst…..

Was hältst du davon, gerade dieses GA zu nutzen ?

Was genau konntest du nicht durchhalten ?
Warum ?
Wo genau „kippte“ es ?

Was genau konntest du nicht umsetzen ?
Warum ?
Wo genau „kippte“ es ?

Also welche Stellschrauben musst du neu justieren ?
etc.

Sehr gerne können wir uns das auch gemeinsam anschauen.

Gerade du kannst das !
Mache dich nicht klein, denn du bist groß !

Viele liebe Grüße :smiley138:
 
Guten Morgen Karl-Heinz,
danke für deine Worte . Das finde ich prima. Habe ich mir auch so erhofft, das wir anhand des Gutachten 2016, gemeinsam Stück für Stück analysieren. Klar kann ich das, ich will es vor allem auch. Denn auch in Zukunft möchte ich meine Familie,meine Arbeit und meine FE sicher behalten ( danke joost) ! Mit eurer Unterstützung fällt es mir leichter. Bis später. LG Olli
 
Beständige, tragfähige und lebenslange zufriedene Abstinenz erreichen.

Karl-Heinz : „ vor allem das Verzeihen“

Mein Belohnungszentrum steht hier an erster Stelle. Mit einem gut funktionierendem Zentrum,kann ich eine Zufriedenheit meiner Abstinenz entwickeln und somit dauerhaft sicherstellen.

Das Verzeihen ist ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Trifft sofort den Schmerzpunkt.

Verzeihen gelingt ( leicht ? ) mir gegenüber, sowie gegenüber anderen.

Allerdings wird hier, gleich der erste klaffende Riss meines alten Fundaments sichtbar.

Zurück in das Jahr 1975.Die Scheidung meiner Eltern. Bis zu diesem Zeitpunkt verlief meine Kindheit so, wie ich persönlich mir das für einen Achtjährigen nur wünschen kann.

Meine Eltern waren Inhaber einer expandierender Möbelfirma ( Produktion von An-u. Einbauküchen, in den 70iger Jahren der Traum jeder Hausfrau ). Mit meiner älteren Schwester und den Eltern, wohnten wir im Haus meiner Oma, direkt im Dorf gegenüber der Firma. 1974 entschloss sich mein Vater, zwei Straßen weiter, ein eigenes Haus für uns bauen zu lassen ( Innenausbau Eigenleistung, da Vater Innenarchitekt ).

Von materieller Seite gab es keine Sorgen. Ebenso fühlte ich mich innerhalb unserer Familie geborgen und geliebt. Besonders von meinem Vater, auf den ich sehr fixiert war.

Gebürtig stammt mein Vater aus dem Ruhrgebiet, Ältester ( wichtig, Verknüpfung folgt) von vier Söhnen. Mein Opa war in den 60iger mitgestallter der Sunkist-Ära in Deutschland und betrieb parallel viele Stehbierhallen im „Pott“. Meine Ferien verbrachte ich alljährlich mit meinen Cousins in unserem Ferienhaus in Grömitz. Mein Vater war selbst in den Ferien immer beruflich eingespannt, hatte selten Zeit für mich. Trotzdem
konnte ich die Geborgenheit/Sicherheit u. Liebe spüren.

Jetzt zurück zum Juli 75“. Badetag war angesagt. Saß in der Wanne und Mutter kam herein. „Olli, morgen fahren wir in eine andere Stadt. Wir beide ziehen um, ich habe deine Sachen schon gepackt.“ Meine Schwester kam dazu und weinte. Konnte nicht nachvollziehen das meine Schwester weint, denn es sind doch Ferien und wir fahren nach Grömitz………..

Puh, später mehr. Hoffe das ist für unseren „Einstieg bzw. Basis“ soweit verständlich.
 
Um bei deinen Erinnerungen nicht reinzugrätschen, nur kurz:
Ja, es ist mehr als verständlich !
Weiter so, schreibe es dir im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele, sie wird leichter dadurch werden….
:a055:
 
Richtig, die Seele wird spürbar entlastet, Gedanken sind öfter unklar, bzw. ungeordnet. Lasse ich aber zu. Wenn ich schreibe wird alles wieder greifbarer.
Die Zeit ist da, ich laufe nicht mehr weg, geschweige denn werde ich meine Gedanken mit Alkohol betäuben.

Früh morgens wurde ich von meiner Mutter in das Fahrzeug eines mir bisher völlig
fremden Mann gesetzt . Bei der Abfahrt stand nur meine 14 jährige Schwester in der Einfahrt und weinte bitterlich. Den Blick aus der Heckscheibe habe ich heute noch vor Augen, es kommt mir gelegentlich vor, als wäre es gestern.

Diesen Moment, der die Weichen für meinen weiteren Lebensweg völlig neu gestellt hat, empfinde ich bei meiner Aufarbeitung als Hauptbestandteil meiner Erkrankung.
Seit über vierzig Jahren ist das ein fester innerer Auslöser, der mich bei Situationen, die ich nicht selbst in den Händen hab, zur Flasche greifen lassen.

Seit meinem achten Lebensjahr drehten sich die Gedanken um das warum.

Zu dem Prozess des Verzeihens, durfte ich 2015 eine tiefenpsychologische fundierte Therapie absolvieren. Hauptbestandteil war seinerzeit die Auseinandersetzung mit mir u. der Frage, warum hat mich mein Vater verlassen u. später aufgegeben.

Es wurde mir aus psychologischer Sicht, in vielen Therapiestunden die mögliche Denkweise meines Vaters dargestellt. Nach meinen Empfindungen hatte ein innerliches Verständnis, sogar eine für mich erträgliche Versöhnung stattgefunden.

Stelle ich eine Verknüpfung zur MPU 2016 ( Seite 11) fest :

Reflektiert betrachtet, hat der Alkohol mir hierzu die beste Unterstützung geliefert, um auch verzeihen zu können. Und genau das, lieber Karl-Heinz, ist auf Dauer nicht durchzuhalten, da ich nüchtern betrachtet nie verziehen habe. Zu dem "Warum" ( sehr intensiver Denkanstoß, hat mich das ganze Wochenende begleitet ). Nun gestehe ich mir ein, ich wollte nicht verzeihen.

Letzten Endes, war das die einfachste Lösung meinen Alkoholkonsum zu rechtfertigen u. mich nicht weiter zu hinterfragen, weiterleben mit meiner selbstbetrügerischen Verdrängungsmethode. Wie schon geschrieben, ein großer Teil des Puzzel. Es fehlen aber einige Teile, damit ich das ganze Bild sehe.
 
(das wäre auch das, was den Gutachter beeindrucken würde. Allein, dass Du heue so eine spürbare innere Distanz zu deiner ersten MPU hast, zeigt, doch, welche großen Fortschritte es inzwischen gibt?)
Guten Abend joost,
wie kann ich das interpretieren ? Eine innere Distanz zu meiner erneuten auffälligen Trunkenheitsfahrt entwickel ich weiter und es ist spürbar. Allerdings die Distanz zur MPU 2016 herzustellen fällt mir schwer. Bedeutet das nicht , die Exploration des Gutachters 10 Jahre ignoriert zu haben ?
 
Hmm.. da frag ich sicherheitshalber vorab nochmal nach: :smiley1659:
Das hast Du sicher schon geschrieben, ich hab aber in den vielen Seiten den Überblick verloren:
Wie lange konntest Du das, was Du in der MPU von 2016 als Zukunftsplan präsentiert hast, aufrechterhalten?
 
O.k., ist nachvollziehbar. Chapeau das du den Überblick behälst. 60 Jahre Lebenslauf sprengt doch den Thread hier. Ich versuche ein anderes Konzept .Stelle meine Fragen gezielter, um die damit verbundenen Gedanken präziser einschätzen könnt.
Das drumherum wird sich in den folgenden Monaten finden. Möchte nicht den Faden verlieren und eure Meinungen sind mir wichtig, um zu wissen ,ob ich auf dem richtigen Weg bin.
 
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