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Leider die dritte TF

Leider war es vollkommen klar, wie und mit welchen Worten du auf meine Erklärungen reagieren wirst.

Ein Hinweis sei mir aber noch gestattet:
Man macht mit der Abstinenz da weiter, wo man aufgehört hat.
Das ist grundsätzlich und vollkommen falsch !

Mit all deinen Worten bestätigst du meine wahnenden Worte.

Ich hoffe in deinem Sinne, dass du diese irgendwann annehmen kannst.
 
Das ist grundsätzlich und vollkommen falsch !
das wird in manchen Kliniken tatsächlich so kommuniziert und wäre ja auch ok, wenn man diesen Lapse genau auswertet und wirksame Veränderungsarbeit leistet. Leider findet letzteres nur in Ausnahmefällen statt und dann wird halt aus so nem Lapse wieder ein Relapse. Weil man die Gelegenheit verpasst hat. Die Rückfallquote solcher Aufenthalte lag mal bei 80%. Ich weiss gar nicht, wo sie heute ist?

Vllt wäre es passend zu sagen: ok, Abstinenzentscheidung ist gescheitert, lass uns die Ursachen suchen und dann die Entscheidung wieder neu treffen. Stolpersteine suchen und nachhaltig aus dem Weg räumen (oder ein schönes Haus draus bauen).
(und als kleines offTopic: "drüber reden" und bisschen PsychoWellness reichen halt meistens nicht - ein Fakt, den unser Kassen- und Kliniksystem immer noch weitgehend ignoriert)
_________________________________________________________
o.T.
Mit all deinen Worten bestätigst du meine wahnenden Worte.
Na hoffentlich war das kein freud´scher :)
 
Zuletzt bearbeitet:
das wird in manchen Kliniken tatsächlich so kommuniziert und wäre ja auch ok, wenn man diesen Lapse genau auswertet und wirksame Veränderungsarbeit leistet.
Absolut, da bin ich 100% bei dir.

Das Problem in den meisten Kliniken liegt mMn darin, dass dort in den Gruppengesprächen nicht differenziert wird zwischen Rückfälligen und Frisch-Trockenen.
Dieser Rückfall müsste eben in regelmäßigen Einzelgesprächen differenziert und individuell aufgearbeit werden, was aber leider meistens nicht passiert aus Mangel an kompetenten personellen Ressourcen.
Daher ist die Rückfallquote meines Wissens immer noch bei 80%.

Eine Privatklinik kenne ich, die sehr viel geringere Rückfallquoten haben.
Die arbeiten sehr engmaschig und im interdisziplinären Team mit einem sehr individuellen Therapieplan.
Diese entlassen auch niemanden, der im häuslichen Umfeld nicht an eine ambulante Nachsorge angeschlossen ist.
Aber halt, Privatklinik :smiley842:
Na hoffentlich war das kein freud´scher :)

:smiley624:
Es hat tatsächlich gedauert, bis ich kapiert hatte :smiley1084:

Wir wissen ja immer nicht genau, was die Adventszeit mit uns macht….
Ich werde mal genau schauen, ob ich zwanghaft die richtigen Geschenke finden möchte oder wahnhaft auf das Weihnachtswunder warte :p

Viele liebe Grüße :smiley138:
 
Eine Privatklinik kenne ich, die sehr viel geringere Rückfallquoten haben
ja, Ich auch. Und die arbeiten da auch mit zeitgenössischen* Methoden, die halt in D noch keine Kasse bezahlt. Unser System hängt noch mitten in den frühen 70ern fest. Es ist traurig!
____________________________
*u.a. mit höchst effektiven traumatherapeutischen Methoden
 
Liebe norderney,

ich komm nicht umhin, zu sagen, dass deine Geschichte nur eingeschränkt glaubhaft klingt. Könntest du das einem GA wirklich offenen Angesichts sagen: ich habe aus Versehen im Halbdunkel Alkohol getrunken und konnte es nicht vermeiden, weil ich just in dem Moment eine Tablette geschluckt habe?
Ich hab da so ein gewisses Realitätsproblem. Ich kann dich nur zu gut verstehen, du hast es ja am Anfang deines Threads angedeutet, dass du KT für dich probieren wolltest. Aber es ist wohl nicht dein rechter Weg. Ich wünsche dir bei deiner ambulanten Thera die richtigen und für dich wichtigen Erkenntnisse zur persönlichen Einsicht. Es geht ja nicht nur um den Führerschein, es geht um dich. Und du bist zu wertvoll, um vorzeitig deines Lebens nicht mehr mächtig zu sein.
Ich wünsche dir von Herzen, dass dir die Kurve gelingt - wirklich und ehrlich. Dir gegenüber.
 
So, ich stelle dann mal meine Fragebögen ein. Ich hoffe auf konstruktive Resonanz :)

FB Alkohol

Zur Person
Geschlecht: weiblich
Größe: 1,75
Gewicht: 63
Alter: 56

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 10.02.2024
BAK: 1,64 Trinkbeginn: ca 14:30 Uhr
Trinkende: 17:30
Uhrzeit der Blutabnahme: ca 18:30

Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: abgelaufen

Führerschein
Hab ich abgegeben: ja
Hab ich neu beantragt: ja
Habe noch keinen gemacht: -

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: keine aktuellen
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt): Ist zu erwarten das xxxx auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges der Gruppe 1 (Fahrerlaubnisklasse) in Frage stellen?

Bundesland:

NRW

Konsum
Ich lebe abstinent seit: 10.02.2024

Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: ja

Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: ja
Selbsthilfegruppe (SHG): ja, bis heute
Psychologe/Verkehrspsychologe: ja
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante Therapie: ja

MPU
Datum: FS neu beantragt, noch keine Rückmeldung von FS Stelle
Welche Stelle (MPI): geplant TÜV Nord
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt? nein
Wer hat das Gutachten gesehen?:
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?:

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten:
Feb 2011: BAK 1,82, positive MPU 2013

Dez 2017: BAK 1,66, positive MPU April 2019
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Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten
.
Ich kam am Samstag, 10.02.2024 gegen Mittag heim, erledigte ein paar Handgriffe in der Whg und habe mich dann in mein We entlassen.



„Entlassen“ bedeutete für mich immer, dass ich die Woche hinter mir lassen konnte und durfte und zwar mit Wein. Entsprechend habe mir gegen 13:30 Uhr mein erstes Glas Wein eingeschenkt. Die ersten 2-3 Gläser habe ich immer sehr schnell getrunken – aus einem kleineren Wasserglas. Damit habe ich natürlich den Kontrollverlust regelrecht forciert. dieses schnelle Trinken, als wäre es Wasser hatte ich natürlich für mich registriert, störte mich aber nicht.



Ich habe das so ziemlich jedes Wochenende gemacht, war es also auch gewohnt und habe im Allgemeinen jeweils ab Wochenmitte darauf gelauert. Ich war wie ein Quartalstrinker so ziemlich jedes Wochenende.



Ich hatte inzwischen fast 2 Fl Wein in 4 Stunden getrunken, es war inzwischen kurz vor 17:30 Uhr.



Dann habe ich allerdings ein für mich sehr wichtiges Rezept gesehen, das ich hätte einlösen müssen, das Medikament benötigte ich für Montagmorgen.



Auf einmal hatte ich eine neue Situation und richtig Angst, denn die Nichteinnahme hätte zu bösen gesundheitlichen Folgen führen können.



Ich hatte 12 Mon zuvor ein künstliches Gelenk erhalten, und mir war, um etwaige Entzündungen zu vermeiden, die wiederum eine Lockerung der Prothese und schlimmeres zur Folge haben könnten, dieses Medikament für einen anstehenden Zahnarztbesuch sehr wichtig.

Also musste ich mir mit meinem betrunkenen Kopf schnell etwas einfallen lassen. Da ich mich ansonsten auch nicht für dumm oder ungeschickt gehalten habe und es vor allem aus meiner damaligen Sicht eine absolute Ausnahmesituation war, habe ich mich kurz entschlossen zur selbstständigen Fahrt entschieden.



Ein klarer Fall von Selbstüberschätzung, Verschiebung der Gefahrengrenze und Verlust der Logik. An einer roten Ampel nach ca 500 m hielt ich es für eine gute Idee, auf einer flachen Straße mit der Berganfahrkontrolle herumzuspielen, soviel zur Logik. Bremsen und Gasgeben, natürlich ging der Wagen zügig nach vorn und ich beschädigte dabei den hinteren Stoßfänger des Vorderwagens.



Dann ging es recht schnell, Die Polizei wurde gerufen, der Schaden aufgenommen und ich im Anschluss zur Alkoholkontrolle gebeten, die natürlich positiv war.



Die spätere Blutprobe gegen 19:30 Uhr ergab 1,64 BAK.



Als ich wieder daheim angekommen war, war ich sehr geschockt und fürchterlich beschämt. Ich hatte mich schon wieder in so eine Situation gebracht und auch noch einen Unfall verursacht. Wenn da auch noch ein Mensch zu Schaden gekommen wäre, hätte ich mir das nie verziehen.

Ausgerechnet an dieser Kreuzung ist vor 2 Jahren ein kleines Kind ganz schrecklich zusammengefahren worden.



Ich weiss noch, dass ich dachte „ich kann es einfach nicht“. (Alkohol trinken)



Ich habe noch am gleichen Abend den Entschluss gefasst, eine Therapie zu absolvieren, das sollte mir nie wieder passieren.

Ich habe jeden Alkohol, der sich in meinen Wänden befand, sofort entsorgt.



2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)




Weißwein, Trinkzeit ca 4 (ca 13:30 bis 17:30 Uhr) Stunden, entspricht 2 Flaschen Wein mit 12%



Als Faustregel gilt

1 Flasche = ¾ Liter Wein 12% - 1 Promille Errechnet mit GA entspricht eine TE bei mir ca 70 ml





3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?



Ziel waren 1,5 km, tatsächliche Fahrstrecke 900 km

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)




Ich hatte Angst und deshalb die Fahrt vor mir selbst als legitime Ausnahme deklariert. Ich habe mir eingeredet, dass es schon gut gehen würde, wenn ich super vorsichtig bin.

Fakt ist aber: ich war aber gar nicht mehr in der Lage festzustellen, in welchem Zustand ich mich wirklich befand, was sinnvoll, wirklich notwendig war und wie irgendwelche Pläne anzugehen sein könnten.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?



Der Wein hat nicht nur jede Hemmschwelle und Logik ausgehebelt, sondern auch gleichzeitig meinen Umgang mit der Situation verändert, ich habe die Sachlage als endgültig und sehr bedrohlich verstanden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur Angst, es gab keinen anderen Gedanken für mich, obwohl es natürlich rückblickend noch andere Möglichkeiten gegeben hätte. Die habe ich aber nicht gesehen, nicht mehr sehen können, ich wollte so schnell wie möglich mein Medikament holen. Deshalb war diese Fahrt in meiner damaligen Sicht zu diesem Zeitpunkt, jenseits von jeder Logik und Verstand, unbedingt zu absolvieren.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?



TF 02.02.2011 mit 1,82 BAK, positive MPU 2013

TF 02.012.2017 mit 1,66 BAK, positive MPU 2019

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?



Ich habe es nicht gezählt, aber insgesamt etliche Male. Ich weiss, dass die Statistik von 500-600 unentdeckten Alkoholfahrten ausgeht. Ich habe alles bedient: Fahren mit Restalkohol genauso wie vorsätzliches Fahren.

Tatsache ist:

Ich bin derart an Alkohol gewöhnt, dass ich problemlos alkoholisiert fahren kann, ohne aufzufallen.

Und ja, ich bin in der Vergangenheit auch schon Schlangenlinien gefahren, aber das hat niemand mitbekommen und es ist glücklicherweise auch nichts passiert. Das ist nichts, worauf ich stolz bin.
 
Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?

Als Kind habe ich natürlich mitbekommen, wenn meine Eltern oder auf Feierlichkeiten Alkohol getrunken habe.



Als Jugendliche habe ich selbst das erste Mal getrunken (Sekt zu Silvester oder Altbier beim Weggehen), allerdings sehr moderat.



9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?



Ich habe Anfang der 1990er Jahre meinen damaligen Freund kennengelernt, wir waren 10 Jahre zusammen. In dieser Zeit habe ich mich „hochgearbeitet“, so dass ich am Ende 1 Flasche Sekt an einem Abend trinken konnte. Diese Gelegenheiten fanden am Wochenende und ca 1x pro Monat statt.



Nach der für mich traumatischen Trennung um 2000 habe ich über mehrere Wochen täglich 1 Flasche Sekt getrunken. Danach habe ich das wieder reduziert, da ich meinen Kopf wieder brauchte.



In den Folgejahren habe ich in der Woche ca 1 Flasche Sekt oder auch verstärkt Wein getrunken. Sekt habe ich nicht mehr so gut vertragen.



Um 2010 ging mein Konsum wieder stark nach oben, 1,5 Flaschen Wein an einem Abend waren keine Seltenheit, es steigerte sich bis hin zum täglichen Konsum, am 02.02.2011 hatte ich die erste TF. Ich war auf der Rückfahrt von einem Geburtstag, es war nachts, festgestellt wurden 1,82 BAK.

Es folgte Abstinenz und eine positive MPU 2013.



Ich habe nach der positiven MPU auch weiterhin nichts getrunken, allerdings nur, weil ich es ganz cool fand. Das war der einzige Beweggrund.



2014 allerdings habe ich wieder angefangen. Das fand ich nicht schlimm. Ich hatte weder irgendwelche Strategien, ernsthaftes Hintergrundwissen und erst recht keine Kontakte wie SHG nach der MPU, denn das war für mich einfach nur „Pech“, ich habe mich nicht als Alkoholiker gesehen, entsprechend habe ich nichts von dem, was ich bei der MPU erzählt hatte, auch mich angewendet oder verinnerlich. Blöd gelaufen eben. Ich war generell mit ca 1 Flasche in der Woche dabei, mal mehr, mal weniger, je nach Anlass, Lust und Laune.



Ab 2016 hatte ich einen Partner, der wohl selbst Alkoholiker war und zum anderen sehr narzisstische Verhaltensweisen aufwies, was mir aber erst später klargeworden ist.



Ich hatte mich bis 2016 mehr oder weniger mit der Trinkerei in erster Linie auf das Wochenende beschränkt, aber natürlich war auch mal ein Glas in der Woche drin. Im Laufe der nächsten Zeit steigerte sich der Konsum wieder, dieses mal auf bis zu 2 Flaschen am Abend. Ich hatte nicht die Kraft, mich zu trennen, war regelrecht gefangen, konnte kaum nachdenken und bin den einfachsten Weg gegangen. Wenn ich trank, war er zumindest zeitweilig ruhig und ich konnte vergessen und mich mit dem Alkohol in eine heile Welt beamen.



Es folgte eine TF am 02.12.2017 mit 1,66 BAK. An diesem Abend war ich in der Nacht geflüchtet – leider im eigenen Wagen und nicht im Taxi. Auch hier was es meine Entscheidung, ins Auto zu steigen.



Ich war ab diesem Zeitpunkt wieder abstinent, über die positive MPU 2019 hinaus. Dieses Mal hatte ich aber etwas aus der Vorbereitung mitgenommen. Allerdings weiss ich heute, dass diese Vorbereitung eher rudimentär war, obwohl es zu einer positiven MPU gekommen war. Damals hielt ich es für ausreichend.



In meiner Aufarbeitungszeit habe ich vieles über mich erfahren, was mir zwar als Teil meines Lebens bekannt war, ich aber niemals als Weichensteller für mein Leben erkannt oder angewendet hatte, es machte alles sehr viel Sinn. Meine Berater waren eine SHG, die im Gegensatz zu 2011 nicht nur gebetet und gesungen hatte, sondern sich sehr realistisch und weltoffen gestaltete. Auch meine Gespräche mit einer Ärztin und dem sozialpädagogischen Dienst haben mich um einiges weitergebracht. Aber leider ist nie thematisiert worden, dass ich tatsächlich krank bin. Außer autogenen Training und einem Selbstachtsamkeitskurs hatte ich wieder keine entscheidenden Strategien. Ich dachte immer noch, Willen und logischer Verstand reicht. Das dachte ich tatsächlich. Ich hatte die MPU geschafft und wollte ab jetzt ein für mich erfülltes Leben ohne Fremdsteuerung und selbstbestimmt führen.



Ich war gute 2 Jahre abstinent. Wie gesagt, nur mit dem Willen, was wie ein Hausbau nur mit Steinen, aber ohne Beton ist. Das Konstrukt ist nur bedingt haltbar.



Das habe ich dann auf diese Art bis 2021 durchgehalten. Corona war gerade vorbei, als meine Mutter krank wurde. Zwar hat sie alles abgestritten, auf die Verdauung geschoben, aber irgendwann war klar, dass ihre Schmerzen keine Körperreaktion nach dem Essen darstellten. Das hat mich sehr besorgt und auch sehr zerrissen, sie so leidend zu sehen. Arztbesuche zu diesem Thema hat sie abgelehnt, sie hatte Sorge, dass man sie gleich ins KH schickt und dort behält (so sagte sie).



Mein Trinken war zu dieser Zeit sehr moderat, da ich jederzeit startklar sein wollte, ich war wirklich sehr besorgt und irgendwann so weit, dass ich ihr gewünscht habe, endlich zu sterben und schmerzfrei zu sein. Im Jahr 2022 hatte sie es dann geschafft und ich fing wieder richtig an, zu trinken. Auch hier wieder in erster Linie am Wochenende, die Woche selbst war zu anspruchsvoll, hier konnte ich keinen wirren Kopf riskieren. Aber natürlich ist es am Abend auch zu einem Glas Wein gekommen. Mehr nicht. Das weiss ich deshalb so genau, weil ansonsten sehr schnell der Kontrollverlust eingesetzt hätte und ich garantiert nicht am nächsten Tag im Büro gesessen hätte. An den Wochenenden sah das dann anders aus, hier habe ich sehr ausgeprägtes Entlastungstrinken betrieben.



Das habe ich so beibehalten bis zur dritten TF am 10.02.2024.

Seitdem betreibe ich Abstinenz, die ich mit negativen Laborbefunden belegen kann.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?


Als Jugendliche kaum.

Bis 2000 konnte ich pro Trinkanlass (1x im Monat) bis zu eine Flasche Sekt trinken.

In 2000 3-4 Wochen 1 Flasche Sekt täglich, Hochkonsum.

Von 2000 bis 2010 ca 1 Fl. Wein pro Woche.

2010 und 2011 bis 1,5 Fl. Wein Nahezu täglich, Hochkonsum.

2011 bis 2014 Abstinenz

2014 bis 2016 1 Flasche Wein pro Woche,

2016 bis 2017 bis zu 2 Flaschen am Abend, in erster Linie am Wochenende. Wein während der Woche war möglich, jedoch sehr gemäßigt.

2019 bis 2021 Abstinenz

2021 bis 2022 1 Flasche in 2 Wochen

2022 bis 2024 1 Flasche Wein Mo – Do, ab Freitagabend bis zu 3 Fl. Wein an einem Abend am WE

2024 bis heute Abstinenz


11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

In Gesellschaft und alleine, Hauptsache, es gab etwas zu trinken.

12. Warum haben Sie getrunken?
Ich fühlte mich als Kind neben meinem geistig behinderten Bruder von meinen Eltern vernachlässigt und übersehen. Das war allerdings nur mein Empfinden, ich wurde natürlich genauso geliebt. Ich musste mich gefühlt immer besonders anstrengen, damit ich gelobt wurde (oder zumindest genauso viel wie mein Bruder)



Ich muss dazu sagen, er mir ganz normal vorkam, aber ich kannte ihn ja auch nicht anders. Für mich war er genauso wie ich und das machte es für mich schwierig. Es ist sonnenklar, dass ein behindertes Kind mehr Förderung und somit auch Aufmerksamkeit bekommen muss – eine Erkenntnis, die ich als kleines Kind nicht hatte und auch nicht haben konnte. Meine Eltern haben jedenfalls nichts falsch gemacht.



Gleichzeitig war es für mich normal, immer zurück zu treten und ihm den Vortritt und die Sichtbarkeit zu überlassen, daher ich habe als Kind keine Muster lernen können, „Nein“ zu sagen, bei mir war „ja“ und Abwarten, bis ich an der Reihe bin eine gelernte Selbstverständlichkeit.



Ich habe immer Verantwortung für meinen Bruder / andere übernommen, es galt, immer die Schwächeren zuerst zu sehen, weil diese Menschen sich selbst ja nicht so gut oder gar nicht helfen können. So bin ich immer weiter nach hinten gegangen und es war normal für mich. Auch, wenn ich damit nicht immer so ganz zufrieden war.



Als Ergebnis hat sich bei mir eingebrannt, immer noch besser zu sein und zu werden, damit sie auf mich auch mal stolz sein konnten und mich lobten und gleichzeitig unauffällig zu sein.



Das ist eine Problematik, die ich leider nie ganz abschütteln konnte.
 
So habe ich in meinem Leben auch als Erwachsene gerne dazu geneigt, mir immer mehr aufzuhalsen, als gut oder machbar, weil ich ja nicht „nein“ sagen konnte und es allen recht machen wollte, was mich selbstverständlich völlig überfordert hat.



Im Alkohol habe ich dann in der Folge vermeintliche Erlösung davon gefunden. Wenn ich getrunken hatte, habe ich mir erlaubt, mich selbst zu beachten und war in meiner Traumwelt, in die ich flüchten und in meinen Gedanken die erste Geige spielen konnte. Ansonsten war ich immer für andere da und habe funktioniert.



Ich habe ebenfalls aus meiner Kindheit mitgenommen, dass ich meine Probleme selbst lösen muss, meine Eltern waren ja mit meinem Bruder beschäftigt. Ich weiss heute natürlich, dass sie erstens gar nicht anders konnten und es zweitens in dieser Form ganz falsch interpretiert ist, aber als Kind habe ich es so empfunden und das hat mich geprägt.



Ich habe keinen Weg für einen gesunden Umgang mit innerem und äußerem Stress, emotionaler Anspannung und dem Gefühl von Einsamkeit entwickeln können: ständige Rücksichtnahme, Gefühl des Unsichtbarseins, unfreiwilliger Einzelkämper, Problemlöser für andere. Mein Alkoholkonsum war rückblickend betrachtet eine dysfunktionale Bewältigungsstrategie.

Im Jahr 2021 wurde meine Mutter sehr krank, ging aber nicht ins Krankenhaus, ich habe mich um sie gekümmert, soweit sie das zugelassen hatte. Sie hatte aufgrund einer Vorerkrankung ernsthafte Angst, im KH bleiben und dort dann sterben zu müssen, oder in ein Pflegeheim zu kommen, das habe ich akzeptiert.



Das war sehr schlimm für mich zu sehen und zu erleben, ich habe ihr sehr gewünscht, dass sie endlich eine schmerzfreie Erlösung finden kann. Parallel war da aber auch das Wissen, dass ich nach ihrem Tod wirklich ganz allein dastehen würde, zusammen mit meinem behinderten Bruder.



Ab diesem Zeitpunkt habe ich nach vorheriger Abstinenz wieder angefangen, sehr moderat zu trinken. Moderat, weil ich jederzeit startklar sein wollte, falls sie sich meldet oder etwas brauchte. Ich habe es als Ventil benutzt, um wenigstens ein klein wenig Druck ablassen zu können, quasi mein Strohhalm. Aber es war schon eine gesteuerte Vorbereitung darauf, dass ich dann wieder trinken würde, wenn alles vorbei. Dieser Zeitraum vor ihrem Tod war für mich sehr aufwühlend.



Als dann im Jahr 2022 meine Mutter starb, habe ich versucht, meinem Bruder den Verlust auszugleichen und ihm zeitgleich die Unterstützung zukommen zu lassen, die für ihn nötig ist.



So habe die Bestattung abgewickelt, die Wohnung aufgelöst, 2 Haushalte geführt, war gleichzeitig sein Kopf, bin Vollzeit arbeiten gegangen und hatte nebenbei auch meine eigenen Termine. Ich habe mir noch nicht einmal richtig die Gelegenheit zum Trauern gegeben, das hätte ja Zeit gekostet, die mir woanders gefehlt hätte.



Ich habe mich damit in der Woche hoffnungslos überladen, es war ein Pensum für 3 Leute. In dieser Zeit habe ich wieder richtig angefangen zu trinken, wie immer, wenn ich verlassen wurde, etwas Traumatisches erlebt hatte oder nicht wusste, wie ich diese äußere Situation für mich hätte besser machen können, es ausweglos.



Am Wochenende waren nicht selten bis zu 3 Flaschen an einem Abend am WE drin. Dann war ich allerdings auch k.o.



In den letzten Jahren hatte ich den Kontakt zu meiner alten SHG verloren, der Leiter war verstorben, zum Nachfolger hatte ich keinen Draht. Darauf konnte ich also nicht zurückgreifen. Auf die Idee, einen Arzt oder Psychologen zu kontaktieren, kam ich nicht. Ich hatte keinen Psychologen, außerdem hätte es Monate gedauert, einen Termin zu bekommen, wie hätte der mir jetzt helfen können. Mir hätten zusätzliche Stunden am Tag und in der Woche genützt.

Ich habe in dieser Zeit das Wochenende benutzt, um für mich kleine, seelische Rettungsinseln zu besegeln, in erster Linie mit Vollrausch.



Ich habe also meine Abstinenz in der Vergangenheit immer mit Disziplin durchgezogen, aber auch nur damit, nicht mit wirklicher Erkenntnis. Irgendeine greifende Strategie insbesondere für Tod und Krankheit hatte ich auch nicht. Es war sonnenklar, dass ich rückfällig geworden bin. In meinem Fall, bei dieser Vorgeschichte und insbesondere den fehlenden Strategien war es die logische und traurige Konsequenz.

Natürlich hatte ich mit nahestehenden Menschen gesprochen, die mir zugehört haben, wenn ich mir mal Jammern erlaubt hatte, aber in meinen Problemen helfen konnten sie auch nicht. Die waren, glaube ich, eher dankbar, nicht selbst in dieser Situation zu sein.



So habe ich immer das Wochenende als Entlastung und Flucht genutzt. Ich habe eine Arbeitsstelle, die meinen funktionierenden Kopf und Verantwortung erfordert, sie macht mir auch viel Spaß. Außerdem habe ich während der Woche das Leben meines Bruders gemanagt. Entsprechend habe ich das Trinken weitestgehend tatsächlich auf das WE beschränkt, für die Arbeit war ich also fit. Ich war ein episodischer Trinker – wie ein Quartalstrinker, nur mit kürzeren Abständen. Es gibt ja viele Varianten und Vermischungen bei der Definition der Typen.



Ich bin am Wochenende nur noch weggegangen, wenn ich wusste, es wird etwas getrunken. Meine Clique trank damals genauso viel wie ich, daher passte das ganz gut für mich.



So habe ich meine Zeit verbracht, bis der Tag der dritten TF kam.



Ich habe gegen 13:30 mein gewohntes „Programm“ gestartet – mit Wein. Nach dem dritten Glas setzte der Kontrollverlust ein, das war mir aber egal, ich hatte ja keine Pläne mehr.



Als ich dann aber am frühen Abend ein Rezept sah, das ich vergessen hatte, einzulösen, setzte schlagartig Panik ein. Es handelte sich um ein Antibiotikum, was ich vor einem Zahnarztbesuch einnehmen musste. Ich hatte 1 Jahr zuvor ein künstliches Gelenk bekommen und es sollte mit dem Medikament Entzündungen vermieden werden, die im schlimmsten Fall ein Lockern und Entfernen der Prothese zur Folge haben könnten.

Mit dem Kontrollverlust war parallel der Logikverlust eingetreten, ich sah nur noch das Rezept und wollte die Situation für mich so schnell wie möglich ändern. Ich sagte mir, ich bin zwar betrunken, aber wird schon gut gehen, außerdem ist es eine Ausnahmesituation.



Eine absolut umsetzbare Alternative zum Selbstfahren ist mir nicht in den Sinn gekommen, obwohl es sie gab.






13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)



Nach 1 Glas habe ich nichts gemerkt, nach dem zweiten nicht unbedingt, aber nach dem dritten Glas setzte der Kontrollverlust ein, ich konnte nicht mehr aufhören.



Rückblickend kann ich sagen, dass der Kontrollverlust immer früher eingetreten ist, es war ein dynamisches Ereignis. Man kann sagen, je höher die Toleranzgrenze, desto niedriger die Kontrollgrenze.



Mit Alkohol konnte ich neben alle Probleme treten und mich mit mir beschäftigen, ohne Alkohol habe ich mir das nicht erlaubt, da ich meine Zeit komplett für alles verplant hatte, was nicht mit mir selbst, meiner Psyche, zu tun hatte.

Ab ca. 3 -4 TE’s konnte ich mich entspannen, ab ca. 7 TE’s konnte es zu umgeworfenen Gläsern kommen, es kam zu spür- und sichtbarem Verlust über die Kontrolle meines Körper. Dieses Level konnte ich halten bis ca. 9 TE’s. Ab da bekam ich sehr spürbare Probleme beim Sehen (Doppelsicht) und bin in Kurven gelaufen. Bei ca. 12-15 TE’s war Schluss

Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:

13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?

(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)



  • Keine Impulskontrolle – wenn der Kontrollverlust da ist, dann kann ich den Wunsch, weiter zu konsumieren nicht mehr stoppen, die Selbstregulierung ist außer Betrieb. Dieser Kontrollverlust ist „beweglich“, man kann ihn sich am besten wie einen Bleistift neben einem anderen Gegenstand auf dem Tisch bei offenem Fenster vorstellen. Bei Wind bewegt er sich, der Abstand zu dem anderen Gegenstand wird kleiner. Der Kontrollverlust ist also kein festgeschriebener Abstand, er ist beweglich und dynamisch, aber nur in eine Richtung.
  • Gestiegene Toleranz – durch Gewöhnung wird immer mehr Alkohol im Gehirn gebraucht, um eine gewünschte Wirkung zu erreichen. Was vor 10 Jahren ein Glas erledigen konnte, wird heute durch 10 Gläser ersetzt.
  • Schadhafte Konditionierung: Alkohol aktiviert das Belohnungszentrum im Hirn. Ich will mich immer noch besser fühlen und trinke deshalb auch noch ein Glas, und noch eins und noch eins.
  • Das Belohnungssystem ist System im Gehirn, welches unser Handeln primär auf Überlebensvorteile ausrichtet. Ich stelle fest, dass ich mich besser fühle und das will ich wiederholen – klassisches Konditionieren im Überlebensmodus.

  • 14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?


Es gab in den letzten Jahren keine, da in meiner Clique gleich viel getrunken wurde. Da war ich also „safe“, vom Stuhl gefallen war da schließlich jeder schon einmal. Rückblickend eng wurde es, wenn alle gleichzeitig das Wort haben wollten (Hemmungslosigkeit traf jeden von uns nach üppigem Weingenuss). Es waren am
 
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